Der Raspberry Pi ist der Goldstandard, wenn es um Einplatinencomputer geht. Millionen von Boards, riesige Community, unschlagbares Ökosystem. Aber wehe, du willst ihn in einer Produktionsumgebung einsetzen. Dann wird es eng. Kein ECC-RAM, kein erweiterter Temperaturbereich, kein TSN, kein zuverlässiger Industrie-Support. Genau in diese Lücke stößt der DEBIX T62P-01 von Polyhex Technology — ein Board, das aussieht wie ein Raspberry Pi, aber unter der Haube einen Texas Instruments Sitara AM62P trägt und Features mitbringt, die in der Industrie- und Embedded-Welt zählen.
Vorgestellt Ende Juni 2026, bringt der T62P-01 eine Kombination auf den Tisch, die es so im kompakten SBC-Format selten gibt: Dual-Gigabit-Ethernet mit Time-Sensitive Networking, echte Multi-Domain-UARTs, einen für industrielle Echtzeitanforderungen ausgelegten SoC und das alles in einer Bauform, die mit vielen Raspberry-Pi-HATs und -Gehäusen kompatibel sein dürfte. Das macht das Board nicht nur für Maker interessant — sondern vor allem für alle, die Embedded-Linux-Systeme in Serie bringen wollen.
Inhaltsverzeichnis
- Texas Instruments AM62P: Was steckt im SoC?
- Dual-GbE mit TSN: Warum das für die Industrie zählt
- Multi-Domain-UART und Echtzeit-Kerne
- Raspberry-Pi-Kompatibilität: Formfaktor und Erweiterungen
- Industrie-Einsatz: Temperatur, Langzeitverfügbarkeit, Support
- Software: Linux, Yocto und das TI-Ökosystem
- DEBIX T62P-01 vs. Raspberry Pi 5 vs. andere Industrie-SBCs
- FAQ
- Fazit
Kurzantwort
Der DEBIX T62P-01 von Polyhex kombiniert TI AM62P SoC, Dual-GbE mit TSN und Multi-Domain-UART im Raspberry-Pi-Format. Eine Industrie-Alternative für Embedded und IIoT. Kurz gesagt: debix t62p-01 raspberry pi-like industrial sbc features ti am62p soc, ist vor allem dann relevant, wenn du schnell verstehen willst, was konkret dahinter steckt, welche Grenzen es gibt und welche Entscheidung daraus folgt. Die Details, Quellen und Einschränkungen stehen in den folgenden Abschnitten.
Texas Instruments AM62P: Was steckt im SoC?
Der zentrale Baustein des DEBIX T62P-01 ist der Texas Instruments Sitara AM62P — ein System-on-Chip aus der TI-Sitara-Familie, die seit Jahren in Industrie-, Automotive- und Medizinanwendungen verbaut wird. Das ist kein Mobilprozessor, der zweckentfremdet im SBC landet, sondern ein von Grund auf für industrielle Einsatzszenarien entwickelter Chip.
Der AM62P setzt auf eine heterogene Rechenarchitektur mit vier ARM Cortex-A53-Kernen für Linux und anspruchsvollere Anwendungen sowie zwei ARM Cortex-R5F-Kernen für Echtzeitaufgaben. Die Cortex-R5F-Kerne laufen in einer separaten, deterministischen Domäne — unabhängig vom Linux-Scheduler. Das bedeutet: Wenn deine Motorsteuerung exakt alle 100 Mikrosekunden einen Impuls setzen muss, dann tut sie das. Egal, was Linux gerade im Userspace treibt.
Herstellerangaben zufolge takten die A53-Kerne mit bis zu 1,4 GHz. Das ist weniger als die 2,4 GHz eines Raspberry Pi 5 — aber der Vergleich hinkt. Ein Broadcom BCM2712 ist ein Multimedia-Chip mit vier A76-Kernen, optimiert auf Durchsatz. Der AM62P ist auf Vorhersagbarkeit und Zuverlässigkeit ausgelegt, nicht auf Benchmark-Spitzenwerte. Im industriellen Umfeld ist deterministisches Verhalten wichtiger als rohe Rechenleistung.
Zur GPU: Der AM62P integriert eine AXE-1-2D-Grafikeinheit und eine PowerVR-GPU der Serie 8XE. Die 3D-Leistung ist bescheiden — das ist kein Board für 4K-Videowiedergabe oder Desktop-Anwendungen. Display-Ausgabe erfolgt über HDMI und LVDS. Für HMI-Anwendungen mit einfachen Touch-Oberflächen oder Status-Displays reicht das aus. Für alles darüber hinaus brauchst du einen anderen Formfaktor.
Zur Speicherausstattung: Das Board wird voraussichtlich mit LPDDR4-RAM bestückt sein, typischerweise 1 GB bis 4 GB. Der genaue RAM-Typ und die maximalen Konfigurationen hängen vom finalen Produktdesign ab. eMMC-Flash für das Betriebssystem und ein microSD-Slot sind bei DEBIX-Boards Standard. Das I/O-Angebot umfasst mehrere USB-Ports — mindestens USB 2.0 und voraussichtlich USB 3.0 — sowie GPIO-Pins, die mit dem Raspberry-Pi-40-Pin-Layout kompatibel sein sollten.

Dual-GbE mit TSN: Warum das für die Industrie zählt
Zwei Gigabit-Ethernet-Ports. Auf den ersten Blick nichts Besonderes — viele Boards haben das. Der entscheidende Unterschied beim DEBIX T62P-01: Beide Ports unterstützen Time-Sensitive Networking (TSN). Und das ist der Punkt, an dem das Board aus der Maker-Ecke in die industrielle Automatisierungstechnik wechselt.
TSN ist eine Sammlung von IEEE-802.1-Standards, die deterministische Latenzen über Standard-Ethernet ermöglichen. Anders als bei proprietären Feldbussen wie PROFINET oder EtherCAT — die spezielle Hardware und eigene Verkabelungstopologien erfordern — läuft TSN über gewöhnliche Ethernet-Switches und -Kabel. Vorausgesetzt, der Switch selbst unterstützt die relevanten TSN-Profile.
Was TSN konkret bringt: garantierte maximale Latenzen im Mikrosekundenbereich, Uhrensynchronisation über das Netzwerk (IEEE 802.1AS) und Traffic-Shaping, das kritische Steuerdaten priorisiert. In einer Produktionslinie, in der ein Roboterarm, eine Kamera und eine SPS miteinander kommunizieren, darf der Steuerbefehl nicht warten, weil gerade ein Firmware-Update über dieselbe Leitung läuft. TSN stellt sicher, dass er nicht warten muss.
Der AM62P bringt TSN-Unterstützung auf Siliziumebene mit — es ist also kein nachträglich aufgesetztes Software-Feature, sondern tief in den Ethernet-Controllern implementiert. Das ist relevant, weil Software-TSN-Implementierungen oft an Präzision verlieren, wenn die CPU unter Last steht. Die Hardware-Unterstützung im AM62P entkoppelt das Timing vom Linux-Netzwerkstack.
Für IIoT-Anwendungen (Industrial Internet of Things) ist diese Kombination aus Dual-GbE und TSN ein entscheidendes Argument. Das Board kann gleichzeitig als Feldgerät und als Edge-Gateway arbeiten: Ein Port kommuniziert mit der Maschinensteuerung, der andere mit dem übergeordneten Netzwerk oder der Cloud — beide mit deterministischen Latenzgarantien.
Multi-Domain-UART und Echtzeit-Kerne
Ein oft übersehenes Detail des DEBIX T62P-01 sind die Multi-Domain-UARTs. UART — Universal Asynchronous Receiver/Transmitter — klingt nach einfachster Technik aus den 1970ern. Aber in der Industrieautomation sind serielle Schnittstellen nach wie vor allgegenwärtig: RS-232, RS-485, Modbus RTU. Sensoren, Aktoren, SPS-Schnittstellen — ein großer Teil der industriellen Kommunikation läuft über Protokolle, die auf UART-Hardware aufsetzen.
Das Besondere an den Multi-Domain-UARTs des AM62P: Sie können unterschiedlichen Prozessorkernen zugewiesen werden. Eine UART läuft direkt auf einem Cortex-R5F-Echtzeitkern und spricht Modbus — deterministisch, ohne Linux-Latenzen. Eine andere UART gehört zur Linux-Domäne und bedient ein Konfigurationsterminal oder ein Debug-Interface. Diese Trennung verhindert, dass ein Userspace-Prozess die Echtzeitkommunikation stört.
Wer schon einmal versucht hat, mit einem Raspberry Pi über einen USB-zu-RS485-Adapter stabile Modbus-Kommunikation aufzubauen, weiß, wovon ich spreche. Der Linux-USB-Stack, das FTDI-Kernel-Modul und ein Python-Skript mit pymodbus — das funktioniert oft, aber nicht immer. Und im industriellen Einsatz ist „oft" nicht gut genug.
Die Cortex-R5F-Kerne sind im AM62P von Haus aus dafür vorgesehen, Bare-Metal- oder RTOS-Firmware auszuführen. TI liefert dafür das MCU+ SDK, mit dem sich Echtzeitanwendungen direkt auf den R5F-Kernen entwickeln lassen — komplett unabhängig vom Linux-System auf den A53-Kernen. Die Kommunikation zwischen den Domänen läuft über RPMsg (Remote Processor Messaging), einen in Mainline-Linux integrierten IPC-Mechanismus. Das ist kein proprietärer Hack, sondern eine gut dokumentierte Standardlösung.
Raspberry-Pi-Kompatibilität: Formfaktor und Erweiterungen
Polyhex Technology positioniert den DEBIX T62P-01 explizit als „Raspberry Pi-like" SBC. Das „-like" ist dabei wörtlich zu nehmen: Die Abmessungen entsprechen — nach allem, was aus der Ankündigung hervorgeht — dem Raspberry-Pi-Formfaktor (85 × 56 mm). Der 40-Pin-GPIO-Header ist pinkompatibel ausgelegt. Die Befestigungsbohrungen sitzen an den gleichen Positionen. Viele Standardgehäuse für den Raspberry Pi sollten passen.
Diese Formfaktor-Entscheidung ist klug. Sie senkt die Einstiegshürde für Entwickler, die bereits Raspberry-Pi-Hardware im Prototyping einsetzen und für die Serie auf industrietaugliche Hardware wechseln wollen. Der mechanische Übergang ist minimal — das Board tauschen, das Gehäuse bleibt. Auch viele HATs (Hardware Attached on Top) sollten elektrisch kompatibel sein, sofern sie keine Raspberry-Pi-spezifischen Schnittstellen wie DPI (Display Parallel Interface) oder CSI (Camera Serial Interface) nutzen.
Bei den Display- und Kamera-Schnittstellen wird es spannender. Der Raspberry Pi 5 hat zwei CSI/DSI-Anschlüsse mit eigenem Pinout. DEBIX-Boards setzen hier traditionell auf eigene Header oder LVDS — und das ist beim T62P-01 voraussichtlich ähnlich. Ein 1:1-Drop-in-Ersatz für einen Pi 5 in einem existierenden Produkt ist das Board also nicht, wenn Kamera oder Display involviert sind. Für reine Compute- und Kommunikationsaufgaben sieht das anders aus.
Die Spannungsversorgung erfolgt über USB-C — ebenfalls ein Schritt in Richtung Standardisierung. Der Raspberry Pi 5 nutzt 5V/5A über USB-PD, der T62P-01 dürfte mit weniger auskommen, da der AM62P deutlich sparsamer ist als der BCM2712. Typische Leistungsaufnahmen von Sitara-Boards liegen im Bereich von 3 bis 8 Watt unter Last — ein Bruchteil dessen, was ein Pi 5 unter Volllast zieht.
Industrie-Einsatz: Temperatur, Langzeitverfügbarkeit, Support
Ein Raspberry Pi ist für 0 bis 50 °C spezifiziert — und das auch nur in der Theorie. In der Praxis throttlet er bei 80 °C SoC-Temperatur und geht bei Dauerlast gerne mal in die Knie. Der DEBIX T62P-01 ist für den industriellen Temperaturbereich von −40 bis +85 °C ausgelegt. Kein aktiver Lüfter nötig. Kein Throttling bei sommerlichen Umgebungstemperaturen.
Diese Temperaturtoleranz ist kein Marketing-Gag, sondern eine Anforderung, die in vielen Industrienormen festgeschrieben ist. In einem Schaltschrank in einer Produktionshalle oder in einem Außengehäuse an einer Wetterstation wird es heiß. Consumer-Hardware überlebt das nicht zuverlässig. Der AM62P und die darauf abgestimmte Peripherie sind für genau diese Bedingungen qualifiziert.
Langzeitverfügbarkeit ist das zweite große Thema. Raspberry Pi Foundation und Broadcom geben keine verbindlichen Zusagen, wie lange ein bestimmtes Pi-Modell produziert wird. TI hingegen ist bekannt für Produktlebenszyklen von zehn Jahren und mehr bei den Sitara-SoCs. Wer ein Embedded-Produkt entwickelt, das 2027 in Serie geht und bis 2035 im Feld sein soll, braucht diese Planungssicherheit. Ein Raspberry Pi 5, der 2028 abgekündigt wird und dessen Nachfolger ein anderes Pinout hat, ist dann ein Problem.
Dazu kommt der Support. Polyhex Technology bietet für seine DEBIX-Boards kommerziellen Support mit definierten SLAs an — etwas, das es im Raspberry-Pi-Ökosystem in dieser Form nicht gibt. Custom-BSP-Entwicklung, Yocto-Layer-Anpassung, Hardware-Design-Review: Das sind Dienstleistungen, die für Unternehmen relevant sind, die das Board nicht als Experimentierplattform, sondern als Produktkomponente einsetzen.
Konkrete Angaben zu Zertifizierungen (CE, FCC, UL) und Industriespezifikationen wie IEC 61000 (EMV) oder EN 50155 (Bahnanwendungen) liegen zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht vor. Erfahrungsgemäß sind das aber Punkte, die Polyhex bei einem explizit als „industrial" vermarkteten Board adressieren wird. Wer das Board in einem regulierten Umfeld einsetzen will, sollte diese Angaben vor einer Design-Entscheidung direkt beim Hersteller erfragen.
Software: Linux, Yocto und das TI-Ökosystem
Software macht oder bricht ein Embedded-Board. Der AM62P wird von Texas Instruments offiziell mit Mainline-Linux unterstützt, und die entsprechenden Device-Tree-Includes und Treiber sind im Upstream-Kernel vorhanden. Das ist kein Reverse-Engineering-Kampf mit Binary-Blob-Treibern wie bei manchen konkurrierenden ARM-Boards — TI pflegt seine Kernel-Support langfristig und in enger Abstimmung mit der Linux-Community.
Das TI Processor SDK liefert ein komplettes Build-System auf Yocto-Basis mit vorkonfigurierten Images für verschiedene Use Cases. Yocto ist nicht jedermanns Sache — die Lernkurve ist steil, und ein vollständiger Build kann je nach Rechner eine halbe bis mehrere Stunden dauern. Aber für ein industrielles Produkt ist Yocto der richtige Ansatz. Es erlaubt reproduzierbare Builds, ein minimales Root-Dateisystem ohne überflüssige Pakete und langfristig pflegbare Konfigurationen.
Wem Yocto zu schwergewichtig ist: Debian- und Ubuntu-Images sind für AM62x-Boards ebenfalls verfügbar, oft über Community-Projekte oder Armbian. Für Prototyping und Entwicklung ist das der schnellere Weg. Für die Serie führt an Yocto oder Buildroot kaum ein Weg vorbei — allein schon wegen der Update-Strategie (A/B-Partitionen, Over-the-Air-Updates, Signed Images), die sich mit einem generalistischen Debian-Image nur schwer umsetzen lässt.
TI liefert außerdem das MCU+ SDK für die Cortex-R5F-Kerne. Wer Echtzeitanwendungen auf den R5F-Kernen entwickeln will, findet dort Beispielprojekte, Treiber und Middleware — von einfachen GPIO-Toggle-Beispielen bis zu EtherCAT-Slave-Implementierungen. Die OpenAMP-Bibliothek (Open Asymmetric Multi-Processing) stellt die RPMsg-Kommunikation zwischen Linux und den Echtzeitkernen bereit.
Für das DEBIX T62P-01 wird Polyhex zusätzlich ein angepasstes Board-Support-Package liefern, das die spezifische Hardware-Konfiguration abbildet: Pin-Muxing, Ethernet-PHY-Initialisierung, PMIC-Konfiguration. Wie umfangreich dieses BSP ausfällt und ob es als Yocto-Layer oder als Patchset für das TI-SDK daherkommt, ist derzeit noch offen.
DEBIX T62P-01 vs. Raspberry Pi 5 vs. andere Industrie-SBCs
Der Raspberry Pi 5 kostet rund 60 bis 80 Euro (je nach RAM). Der DEBIX T62P-01 wird — basierend auf der Preisgestaltung früherer DEBIX-Modelle — voraussichtlich im Bereich von 100 bis 180 Euro liegen, abhängig von RAM- und Flash-Ausstattung. Kein Schnäppchen, aber für ein Industrie-Board mit TI-SoC und TSN-Unterstützung ein konkurrenzfähiger Preis.
Die Stärken des Pi 5 liegen woanders: mehr Rechenleistung, bessere GPU, zwei HDMI-Ausgänge mit 4K60, PCIe 2.0 x1 für NVMe-SSDs, riesige Software-Auswahl. Für eine Desktop-Workstation, einen Medienserver oder ein Retro-Gaming-System ist der Pi 5 das bessere Board. Für alles, was mit industrieller Steuerung, Echtzeitanforderungen, deterministischer Kommunikation oder Langzeitverfügbarkeit zu tun hat, ist der T62P-01 die richtigere Wahl.
Andere Industrie-SBCs im gleichen Segment sind etwa die Variscite VAR-SOM-AM62, die phyBOARD-AM62x von Phytec oder die TQ-Ma62xx von TQ-Systems. Das sind SoM-basierte (System-on-Module) Lösungen mit Carrier-Board — leistungsfähiger und flexibler, aber auch teurer und größer. Ein VAR-SOM-AM62-Developer-Kit liegt schnell bei 300 bis 500 Euro. Der DEBIX T62P-01 positioniert sich preislich deutlich darunter und bietet trotzdem die Kern-Features, die für viele IIoT-Anwendungen relevant sind.
Die Entscheidung zwischen einem Raspberry-Pi-kompatiblen Industrie-Board wie dem T62P-01 und einem vollwertigen SoM-Carrier-System hängt vom Einsatzzweck ab: Geht es um Prototyping, kleine Serien oder Anwendungen, bei denen der Formfaktor und die GPIO-Kompatibilität entscheidend sind, spricht viel für den DEBIX. Geht es um hochvolumige Serienproduktion mit kundenspezifischem Carrier-Board-Design, sind SoM-basierte Ansätze der bewährte Weg.
Die DEBIX-Produktlinie selbst hat in den letzten Jahren an Reife gewonnen. Frühere Modelle wie der DEBIX Model A (i.MX 8M Plus) oder der DEBIX Infinity (i.MX 8M Mini) haben gezeigt, dass Polyhex solide Hardware liefern kann — auch wenn die Software-Dokumentation nicht immer mit der etablierter Hersteller mithalten konnte. Mit jedem neuen Board-Modell wird das besser.
Entscheidungshilfe: Wann ist das sinnvoll?
Eher sinnvoll, wenn du debix t62p-01 raspberry pi-like industrial sbc features ti am62p soc, nicht nur als Nachricht lesen willst, sondern eine praktische Einordnung brauchst: Was ändert sich, wen betrifft es und welche nächsten Schritte sind realistisch?
Eher abwarten, wenn die Quellenlage noch dünn ist, wichtige technische Details fehlen oder der Nutzen nur aus Hersteller- oder Projektversprechen besteht. Dann ist Beobachten besser als vorschnelles Umstellen.
Worauf du achten solltest: konkrete Verfügbarkeit, nachvollziehbare Kosten, offene Einschränkungen, Sicherheits- oder Datenschutzfolgen und belastbare Quellen statt bloßer Ankündigungen.
FAQ
Für wen ist der DEBIX T62P-01 gedacht? Für Embedded-Entwickler, Systemintegratoren und Industrieunternehmen, die einen kompakten, industrietauglichen SBC für IIoT-Gateways, Edge-Computing, Maschinensteuerung oder Protokollkonverter suchen. Maker, die einfach nur einen besseren Raspberry Pi wollen, sind nicht die primäre Zielgruppe.
Kann ich mein Raspberry-Pi-Projekt 1:1 auf den T62P-01 migrieren? Nicht ohne Anpassungen. GPIO-Pinout und Formfaktor sind kompatibel, aber der SoC ist ein völlig anderer. Ein Raspberry-Pi-Image bootet nicht auf dem AM62P. Treiber für HATs müssen auf die neue Plattform portiert werden. Kamera- und Display-Schnittstellen sind unterschiedlich. Reine Compute- und Netzwerk-Anwendungen sind einfacher zu migrieren als Projekte mit spezifischer Peripherie.
Was kostet das Board? Ein Preis wurde noch nicht offiziell genannt. Basierend auf ähnlichen DEBIX-Boards ist mit 100 bis 180 Euro zu rechnen, je nach Konfiguration. Das ist teurer als ein Raspberry Pi 5, aber günstiger als die meisten SoM-basierten Industrie-Lösungen.
Unterstützt der AM62P KI-Inferenz? Nicht nativ. Der AM62P hat keine NPU (Neural Processing Unit). Für KI-Anwendungen bietet TI die AM62A-Variante mit integrierter Deep-Learning-Beschleunigung an. Der T62P-01 ist auf deterministische Steuerung und Kommunikation ausgelegt, nicht auf maschinelles Lernen am Edge.
Läuft Home Assistant auf dem Board? Theoretisch ja — Linux läuft. Aber die fehlende NPU, die bescheidene GPU und der Fokus auf industrielle Schnittstellen machen den T62P-01 zu keiner guten Wahl für Smart-Home-Anwendungen. Ein Raspberry Pi 5 oder ein Intel-N100-Mini-PC sind dafür besser geeignet.
Kann ich mehrere Displays anschließen? Das Board unterstützt HDMI und LVDS. Dual-Display-Betrieb ist möglich, aber die Auflösung ist limitiert. Für Digital-Signage oder Multimedia-Kiosksysteme ist das Board nicht geeignet.
Was ist der Unterschied zwischen den Cortex-A53 und Cortex-R5F? Die A53-Kerne laufen unter Linux und sind für allgemeine Rechenaufgaben zuständig — Netzwerkstack, Anwendungslogik, Dateisystem. Die R5F-Kerne sind für Echtzeitanwendungen optimiert: Motorsteuerung, Sensorabfragen mit festen Zykluszeiten, Sicherheitsüberwachung. Sie laufen unabhängig vom Linux-System und werden durch dessen Scheduler nicht beeinträchtigt.
Unterstützt das Board Power-over-Ethernet (PoE)? Laut Ankündigung nicht nativ. Ein externer PoE-Splitter oder ein PoE-HAT (sofern elektrisch kompatibel) wären mögliche Lösungen. Das ist ein Punkt, den viele Industrieanwender vermissen werden.
Ist das Board für den Außeneinsatz geeignet? Der Temperaturbereich von −40 bis +85 °C spricht dafür. Ob das Board auch gegen Feuchtigkeit, Staub und Vibration geschützt ist, hängt vom Gehäuse und den eingesetzten Steckverbindern ab. Conformal Coating ist nicht erwähnt — wer das Board in rauen Umgebungen einsetzen will, sollte das beim Hersteller erfragen.
Gibt es ein Evaluation Kit? Polyhex bietet für die meisten DEBIX-Boards Developer-Kits mit Netzteil, Kühlkörper und vorinstalliertem Image an. Ein entsprechendes Kit für den T62P-01 ist wahrscheinlich, aber noch nicht bestätigt.
Fazit
Der DEBIX T62P-01 ist kein Raspberry-Pi-Killer. Er will keiner sein. Er ist ein Industrie-SBC im Raspberry-Pi-Format — und genau das ist der Punkt. Wer einen Raspberry Pi in einer Produktionsumgebung einsetzt, macht Kompromisse bei Zuverlässigkeit, Temperaturbereich und Langzeitverfügbarkeit. Der T62P-01 löst diese Kompromisse auf, ohne dass man das gesamte mechanische Design umwerfen muss.
Die Kombination aus TI Sitara AM62P mit seinen Echtzeitkernen, Dual-GbE mit Hardware-TSN und Multi-Domain-UART macht das Board zu einer ernstzunehmenden Option für IIoT-Gateways, Feldgeräte und Edge-Controller. Der Preis wird über dem eines Raspberry Pi liegen — aber wer industrielle Anforderungen hat, weiß, dass Consumer-Preise für Consumer-Hardware gelten. Für Produktionshardware gelten andere Regeln.
Passende Produktrecherchen
Die folgenden Links führen zu aktuellen Produktsuchen bei Amazon.de. Kalika.de nimmt am Amazon PartnerNet teil; bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine kleine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten.
- Industrie-Einplatinencomputer und Embedded Boards
- Texas Instruments Entwicklungsboards und Evaluation Kits
- Industrie-Router und Gateways mit Dual-Ethernet
- Raspberry Pi Gehäuse Industrie robust IP65
- RS485 Modbus Konverter und industrielle Kommunikation
Quellen
- CNX Software: DEBIX T62P-01 Raspberry Pi-like industrial SBC features TI AM62P SoC (29.06.2026)
- Texas Instruments: Sitara AM62P Produktseite — Technische Referenz zum AM62P SoC
- Texas Instruments: AM62Px Processor SDK — Software-Entwicklungsumgebung und Dokumentation
- Polyhex Technology: DEBIX Produktübersicht — Herstellerseite mit Informationen zur DEBIX-Produktlinie

Weiterführende Artikel
- Von VMware zu Proxmox wechseln: Lohnt sich der Umstieg für Profis?
- Linux 7.1: Was das Kernel-Release für Arm, RISC-V und MIPS bringt
- Optocam Zero: Die Raspberry-Pi-Kamera zum Selberbauen
- Armbian Imager 2.0: Über 300 Boards von 64 Herstellern flashen – mit einem Klick
- Asus ZenWifi Mesh: Neueres Modell ergänzen oder bei bewährten AX-Geräten bleiben?
