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ESP32 Bit Pirate: So verwandelt sich dein Mikrocontroller in ein Debugging-Multitool

Der ESP32 Bit Pirate ist eine Open-Source-Firmware, die günstige ESP32-Boards in ein hardwarenahes Multitool für I2C, SPI, UART und dutzende weitere Protokolle verwandelt – bedienbar per Browser, Terminal oder direkt am Gerät.

Kurzantwort

Der ESP32 Bit Pirate ist eine Open-Source-Firmware, die günstige ESP32-Boards in ein hardwarenahes Multitool für I2C, SPI, UART und dutzende weitere Protokolle verwandelt – bedienbar per Browser, Terminal oder direkt am Gerät. Kurz gesagt: esp32 bit pirate turns boards into bench tools ist vor allem dann relevant, wenn du schnell verstehen willst, was konkret dahinter steckt, welche Grenzen es gibt und welche Entscheidung daraus folgt. Die Details, Quellen und Einschränkungen stehen in den folgenden Abschnitten.

Was ist der ESP32 Bit Pirate?

Wer regelmäßig mit Mikrocontrollern, Sensoren oder Embedded-Systemen arbeitet, kennt den Moment: Ein unbekannter I2C-Sensor liegt auf dem Tisch, ein SPI-Flash-Chip will ausgelesen werden, oder eine UART-Verbindung verhält sich seltsam. Der klassische Weg heißt dann: Testfirmware schreiben, flashen, debuggen, repeat. Der ESP32 Bit Pirate macht damit Schluss.

Der ESP32 Bit Pirate ist eine Open-Source-Firmware, die handelsübliche ESP32-Boards in ein universelles Hardware-Debugging-Werkzeug verwandelt. Inspiriert vom legendären Bus Pirate, kombiniert die Firmware Interaktion mit digitalen Bussystemen, Funkprotokollen und USB-Peripherie unter einer einzigen, einheitlichen Kommandozeilenumgebung. Statt für jede Aufgabe ein eigenes Testprogramm zu schreiben, verbindest du einfach das Board, flasht die Firmware einmalig und steuerst sämtliche Debugging-Aufgaben über ein Terminal, eine browserbasierte Oberfläche oder – bei kompatiblen Geräten – direkt über eingebaute Tastatur und Display.

Entwickelt wurde die Firmware von einem Maker mit dem Pseudonym „Geo“. In einem Interview mit Make Magazine beschrieb er die Motivation hinter dem Projekt:

„Es entstand aus einem sehr praktischen Bedürfnis: Wenn man Hardware entwickelt oder debuggt, kommt oft der Moment, in dem man direkt mit einem Chip, Sensor, Flash-Speicher, Bus oder einem unbekannten Gerät auf niedriger Ebene interagieren muss. Der ESP32 Bit Pirate ist genau für diese Art von Arbeit gedacht: rohe Transaktionen senden, Busse scannen, Speicher auslesen, Geräte testen, Protokolle reverse-engineeren oder Hardware schnell validieren, ohne jedes Mal eine eigene Firmware schreiben zu müssen.“ (Geo, via Make Magazine, Juli 2026)

Das Projekt hat auf GitHub bereits über 4.100 Sterne und mehr als 330 Forks gesammelt – ein deutliches Zeichen dafür, dass es einen Nerv in der Maker- und Embedded-Community trifft.

Warum ESP32? Das Schweizer Taschenmesser unter den Mikrocontrollern

Dass die Wahl auf den ESP32 fiel, ist kein Zufall. Der ESP32, insbesondere in seiner S3-Variante, bringt eine Kombination mit, die für ein Debugging-Multitool ideal ist: ein leistungsfähiger Dual-Core-Prozessor, integriertes Wi-Fi und Bluetooth, zahlreiche GPIO-Pins, native Unterstützung für SPI, I2C, UART und I2S sowie ein großzügiger Flash-Speicher. Hinzu kommt der Preis: Ein ESP32-S3-Dev-Kit ist für unter fünf Euro zu haben.

Die Architektur des ESP32 erlaubt es, gleichzeitig als USB-Host und -Device zu agieren, Funkprotokolle wie Wi-Fi, Bluetooth (BLE), Sub-GHz (via externem CC1101-Chip) und RFID (via PN532) anzusprechen und dabei noch eine Webserver-Oberfläche bereitzustellen. Genau diese Vielseitigkeit macht der Bit Pirate nutzbar: Er spricht nicht nur klassische drahtgebundene Busse, sondern kann auch Funksignale analysieren, IR-Fernbedienungen emulieren und sich als USB-HID-Gerät (Maus, Tastatur, Gamepad) ausgeben.

esp32 bit pirate turns boards into bench tools – Illustration 2

Der klassische Bus Pirate als Vorbild

Das Konzept eines universellen Bus-Interfaces ist nicht neu. Der ursprüngliche Bus Pirate von Dangerous Prototypes, erstmals 2009 vorgestellt, etablierte das Konzept eines hardwarenahen Multitools für Hacker und Embedded-Entwickler. Er sprach I2C, SPI, UART, 1-Wire und einige weitere Protokolle und wurde über eine serielle Konsole im „Pirate-Style“ bedient.

Der ESP32 Bit Pirate führt dieses Konzept in die Moderne: Statt eines dedizierten, PIC-basierten Boards mit FTDI-Chip nutzt er einen Allzweck-Mikrocontroller mit drahtlosen Fähigkeiten. Wo der klassische Bus Pirate etwa 30 Euro kostet und eine begrenzte Protokollpalette abdeckt, bringt der Bit Pirate auf einem 5-Euro-Board nicht nur mehr Schnittstellen mit, sondern fügt dem Ganzen eine browserbasierte Oberfläche, Wi-Fi-Konnektivität und eine stetig wachsende Auswahl an Modi hinzu.

Die Kommandozeilensyntax orientiert sich bewusst am Original. Wer den klassischen Bus Pirate kennt, findet sich sofort zurecht – mode, scan, sniff, dump funktionieren wie gewohnt. Die Erweiterung um Funkprotokolle, USB-Emulation und Scripting hebt das Werkzeug aber auf ein neues Niveau.

Technische Fähigkeiten im Detail

Die beeindruckendste Eigenschaft des Bit Pirate ist seine schiere Protokollvielfalt. Die Firmware unterstützt aktuell folgende Modi:

Drahtgebundene Busse:

  • I2C – Scannen, Lesen, Schreiben, EEPROM-Dump, Glitch-Angriffe, Slave-Modus
  • SPI – EEPROM und Flash auslesen, SD-Karten ansprechen, Slave-Modus
  • UART und Half-Duplex UART – Senden, Empfangen, Sniffen, Baudraten-Autoerkennung, AT-Kommandos
  • 1-Wire – iButton, EEPROM, Temperatursensoren
  • 2-Wire und 3-Wire – Sniffing, Smartcard, spezielle EEPROM-Protokolle
  • JTAG und SWD – Pinout-Scan, grundlegende Debug-Kommunikation
  • CAN – Frames sniffen, senden und empfangen
  • I2S – Lautsprecher testen, Mikrofon auslesen, Audiosignale ausgeben
  • DIO (Digital I/O) – GPIOs lesen, setzen, Pull-up, PWM, Servo, Impulsmessung

Drahtlose Protokolle:

  • Infrarot – Über 80 IR-Protokolle, universelle Fernbedienung, „Device-B-Gone“
  • Sub-GHz – Sniffen, scannen, replays (benötigt CC1101-Modul)
  • Bluetooth / BLE – HID-Spoofing, Scannen, Sniffen
  • Wi-Fi – Sniffen, Deauth, Nmap, Netcat
  • RF24 – Scannen, sniffen (benötigt nRF24L01-Modul)
  • RFID – Lesen, Schreiben, Klonen (benötigt PN532-Modul)

Sonstige Modi:

  • USB – HID (Maus, Tastatur, Gamepad), Massenspeicher, CDC
  • LED – Rund 50 adressierbare LED-Protokolle, Animationen
  • Ethernet – Netzwerkzugriff über Ethernet-Adapter

Hinzu kommen übergreifende Features wie Protokoll-Sniffer für I2C, SPI, 1-Wire, CAN, Wi-Fi, Bluetooth und Sub-GHz sowie ein integriertes LittleFS-Dateisystem, über das sich Daten per HTTP importieren und exportieren lassen.

Für die Automatisierung stehen zwei Wege offen: eine Bus-Pirate-kompatible Bytecode-Sprache für schnelle, wiederholbare Kommandos direkt im Terminal, und eine Python-Schnittstelle für komplexere Skripte. Letztere läuft über die serielle Verbindung und ermöglicht es, Messreihen zu protokollieren, Flash-Dumps automatisiert zu verarbeiten oder GPIO-Sequenzen zu steuern – alles ohne ein separates Testprogramm in C++ schreiben zu müssen.

Unterstützte Hardware: Vom 5-Euro-Board bis zum All-in-One-Gerät

Die Firmware läuft auf einer breiten Palette von ESP32-S3-basierten Boards. Grundvoraussetzung sind mindestens 8 MB Flash-Speicher – ein Kriterium, das fast alle aktuellen S3-Boards erfüllen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die offiziell unterstützten Geräte:

BoardBesonderheiten
ESP32-S3 Dev KitÜber 20 GPIOs, 1 Button, günstigster Einstieg
M5 CardputerDisplay, Tastatur, Mikrofon, Lautsprecher, IR-TX, SD-Karte, Akku
M5 Cardputer ADVErweiterte Version mit 12 GPIOs, IMU, Akku
M5 Stick C Plus 2Display, IMU, IR-TX, Mikrofon, Buzzer, 3 Buttons, Akku
M5 Stick S313 GPIOs, IR-TX und -RX, IMU, Akku
M5 StampS3Minimales Stamp-Format, 9 GPIOs
M5 AtomS3 LiteKompakt, 8 GPIOs, IR-TX
LILYGO T-EmbedDisplay, Encoder, Lautsprecher, Mikrofon, SD-Karte
LILYGO T-Embed CC1101Wie T-Embed, plus CC1101, PN532, IR-TX/RX, Akku
Seeed Studio Xiao S3Sehr kompakt, 9 GPIOs

Besonders interessant sind die Geräte mit eingebautem Display und Tastatur, vor allem das M5 Cardputer. Auf diesen Boards läuft der Bit Pirate in einem „Standalone-Modus“: Du kannst das Gerät aus der Tasche ziehen, ohne externen Rechner direkt mit der eingebauten Tastatur Kommandos eingeben und die Ergebnisse auf dem Display ablesen. Das macht den Bit Pirate zu einem wirklich portablen Debugging-Werkzeug – nicht nur für den Labortisch, sondern auch für den Feldeinsatz.

Für Boards ohne Display und Tastatur erfolgt die Interaktion entweder klassisch über die serielle USB-Verbindung oder über die browserbasierte Weboberfläche. Letztere ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal: Sobald der ESP32 mit einem Wi-Fi-Netzwerk verbunden ist, öffnest du im Browser deines Laptops, Tablets oder Smartphones eine Web-Kommandozeile und steuerst sämtliche Funktionen kabellos.

Bedienung: Drei Wege, ein Kommandosatz

Die Firmware bietet drei parallele Bedienoberflächen, die denselben Befehlssatz verwenden und beliebig kombinierbar sind:

1. Serielle Konsole (USB): Der klassische Weg. Über ein beliebiges Terminal-Programm (PuTTY, screen, minicom, CoolTerm) verbindest du dich mit dem ESP32 und interagierst mit der gewohnten Bus-Pirate-Kommandozeile. Dieser Modus bietet die beste Performance und eignet sich für datenintensive Sitzungen, große Dumps oder häufige Befehlsfolgen.

2. Weboberfläche (Wi-Fi): Nach einmaliger Wi-Fi-Konfiguration stellt der ESP32 eine Command-Line-Oberfläche im Browser bereit. Das funktioniert mit jedem Gerät, das einen Browser hat – Laptop, Tablet, Smartphone. Der Vorteil: kein Kabel, keine Treiber, kein Terminal-Programm. Einfach IP-Adresse aufrufen, und los geht’s. Besonders praktisch für schnelle Tests, Demos oder wenn der ESP32 an einer schwer zugänglichen Stelle steckt.

3. Standalone-Modus (Cardputer): Speziell für das M5 Cardputer und Cardputer ADV. Die integrierte Tastatur und das Display ersetzen den externen Rechner komplett. Der Bit Pirate läuft autark – ein echtes Taschen-Debugging-Lab.

Alle drei Modi teilen sich die gleiche Kommandostruktur. Ein scan i2c funktioniert identisch, egal ob es über USB, Wi-Fi oder die Cardputer-Tastatur eingegeben wird.

Praktische Einsatzszenarien

Die Vielseitigkeit des Bit Pirate erschließt sich am besten anhand konkreter Anwendungsfälle. Hier sind einige typische Szenarien aus dem Maker- und Embedded-Alltag:

Unbekannte Sensoren identifizieren: Ein I2C-Sensor ohne Beschriftung liegt auf dem Tisch. Statt den Chip unter dem Mikroskop zu entziffern und das Datenblatt zu suchen, verbindest du ihn mit dem ESP32, führst scan i2c aus und siehst sofort die I2C-Adresse. Mit dump liest du das Register-Map aus und verstehst, wie der Sensor anzusprechen ist – alles in unter einer Minute, ganz ohne eigene Firmware.

SPI-Flash-Chips auslesen: Ein defektes Gerät soll analysiert werden. Der Flash-Chip lässt sich mit dem Bit Pirate direkt auslesen (dump spi flash), ohne ihn auszulöten. Das Image kann dann offline untersucht oder mit bekannten Firmware-Versionen verglichen werden.

UART-Verbindungen debuggen: Zwei Boards kommunizieren per UART, aber die Daten kommen nicht an. Der Bit Pirate wird als Sniffer zwischengeschaltet (sniff uart) und zeigt den Datenverkehr live an – samt automatischer Baudratenerkennung. Das erspart stundenlanges Rätselraten, ob überhaupt etwas gesendet wird und mit welcher Geschwindigkeit.

IR-Fernbedienungen analysieren und emulieren: Ein alter IR-Fernbedienung fehlt das passende Gerät. Der Bit Pirate empfängt die IR-Signale (mode infrared), dekodiert das Protokoll und kann die gleichen Befehle später selbst senden. Mit über 80 unterstützten IR-Protokollen deckt das nahezu jedes Consumer-Gerät ab.

Funkprotokolle untersuchen: Mit einem angeschlossenen CC1101-Modul wird der Bit Pirate zum Sub-GHz-Scanner. Funkfernschalter, Wetterstationen oder Garagentoröffner senden oft auf 433 oder 868 MHz – der Bit Pirate erfasst die Signale und kann sie zu Analysezwecken aufzeichnen und wiedergeben.

Hardware-Reverse-Engineering: Wenn ein unbekanntes Board verstanden werden soll, hilft die JTAG/SWD-Unterstützung. Der Pinout-Scan findet heraus, welche Pins für Debugging-Zugriffe genutzt werden, und grundlegende JTAG-Kommandos geben Einblick in den Zustand des Zielsystems.

Automatisierte Test-Workflows: Für wiederkehrende Aufgaben lassen sich Python-Skripte schreiben, die den Bit Pirate über die serielle Schnittstelle steuern. Ein Skript kann nacheinander zehn identische I2C-Sensoren testen, die Ergebnisse in einer CSV-Datei protokollieren und nur die defekten Exemplare melden – ein miniaturisierter Produktionstest für den Hobby-Einsatz.

Geo selbst betonte gegenüber Make Magazine die besondere Nützlichkeit bei Sensoren: „Anstatt ein benutzerdefiniertes Testprogramm zu schreiben, kann man den ESP32 Bit Pirate anschließen, den Bus scannen, um die Geräteadresse zu finden, Register manuell lesen oder schreiben, die Registerkarte auslesen und schnell verstehen, wie sich die Komponente verhält. Das gleiche Prinzip gilt für SPI-Flash-Chips, UART-Geräte, Infrarot-Fernbedienungen, Sub-GHz-Empfänger und viele andere Schnittstellen.“

Das Ökosystem: Mehr als nur Firmware

Der Bit Pirate ist kein isoliertes Firmware-Projekt, sondern ein wachsendes Ökosystem aus mehreren Komponenten:

Der Web Flasher erlaubt die Installation der Firmware mit einem Klick direkt aus dem Browser. Kein PlatformIO, keine Arduino-IDE, kein mühsames Kompilieren. Board auswählen, „Flash“ klicken, fertig. Das senkt die Einstiegshürde drastisch und macht das Tool auch für Nutzer zugänglich, die mit der ESP32-Toolchain nicht vertraut sind.

Die Web Tools gehen über die reine Terminal-Funktion hinaus. Sie umfassen browserbasierte Werkzeuge für Web Serial (direkter serieller Zugriff aus dem Browser), SPI-Flash-Operationen, AVR- und STM32-Programmierung, SUMP-kompatibles Logic-Analyzer-Capture und den BPIO2-Adapter für GPIO-, I2C- und SPI-Zugriffe. Diese Tools laufen komplett im Browser und kommunizieren über WebUSB oder WebSerial mit dem ESP32.

Das Web Scripting Lab ermöglicht Python-Automatisierung direkt im Browser. Statt lokal ein Python-Skript zu schreiben und auszuführen, kann der Nutzer im Browser Python-Code eingeben, der dann über die serielle Verbindung mit dem Bit Pirate interagiert. Das senkt die Einstiegshürde für automatisierte Workflows erheblich.

Die Recipes (Rezepte) sind praktische, nach Aufgaben geordnete Anleitungen, die konkrete Arbeitsschritte dokumentieren: Welche Pins werden verbunden? Welche Kommandos werden nacheinander ausgeführt? Was ist das erwartete Ergebnis? Diese Rezepte ersetzen kein technisches Handbuch, sondern bieten schnelle, direkt umsetzbare Workflows – vergleichbar mit Kochrezepten, nur eben für Hardware-Debugging.

Hardware-Dock und Adapter: In der Entwicklung befindet sich ein Trägerboard-System, das Adapter und Level-Shifter von 1,8 V bis 5 V aufnimmt. Das soll die physische Seite des Bit Pirate standardisieren und die Verwendung mit unterschiedlichen Zielsystemen vereinfachen.

Diese Ökosystem-Strategie unterscheidet den Bit Pirate von vielen vergleichbaren Projekten: Statt nur Quellcode auf GitHub abzulegen, hat Geo eine strukturierte Umgebung geschaffen, die Dokumentation, Tools und Zusatzhardware von Anfang an mitdenkt.

Für wen ist der Bit Pirate gedacht?

Geo selbst beschreibt die Zielgruppe bewusst breit: „Ich sehe es im Einsatz bei Embedded-Entwicklern, Hardware-Hackern, Reverse-Engineers, Studenten und Makern, die ein flexibles, zugängliches und intuitives Werkzeug zur Erkundung von Elektronik und zum Debuggen von Boards benötigen.“ (via Make Magazine)

Die Dokumentation ist mit Einsteigern im Hinterkopf geschrieben. Grundlegende Konzepte wie I2C-Adressierung, SPI-Chip-Select oder UART-Baudraten werden erklärt, und die Rezepte bieten Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit konkreten Verdrahtungshinweisen. Gleichzeitig sind fortgeschrittene Features wie Glitch-Angriffe auf I2C, Sniffing von Sub-GHz-Protokollen oder JTAG-Pinout-Scans vorhanden, sodass auch erfahrene Nutzer auf ihre Kosten kommen.

Wichtig ist die Abgrenzung zu professionellen Debugging-Tools: Der Bit Pirate ersetzt kein JTAG-Debugger für ARM-Cortex-Prozessoren und keinen vollwertigen Logic Analyzer. Er ist ein Werkzeug für die explorative Arbeit – dann, wenn es nicht um Mikrosekunden-Timing geht, sondern darum, schnell zu verstehen, wie ein Gerät oder Protokoll grundsätzlich funktioniert.

Grenzen, Warnungen und rechtliche Hinweise

So leistungsfähig der Bit Pirate auch ist – es gibt klare Grenzen und Warnungen, die das Projekt selbst prominent kommuniziert:

Spannung: Die GPIO-Pins des ESP32 arbeiten mit 3,3 V und sind laut Datenblatt nicht 5-V-tolerant (absolute Maximalspannung: VDD+0,3 V, maximal 3,9 V). Keine Peripherie mit anderen Spannungspegeln anschließen, da dies den ESP32 beschädigen kann. Für 5-V-Systeme oder Geräte mit abweichenden Pegeln ist ein Level-Shifter zwingend erforderlich.

Funkregulierung: Der Bit Pirate kann Sub-GHz-Signale senden. In den meisten Ländern sind Frequenzbänder wie 433 MHz oder 868 MHz reguliert, und das unautorisierte Senden von Funk-Signalen ist illegal. Die Dokumentation weist ausdrücklich darauf hin, dass Funk-Features nur auf lizenzfreien Frequenzen und im Rahmen der lokalen Gesetze genutzt werden dürfen.

Rechtliche Verantwortung: Die Firmware ist für Bildungs-, Diagnose- und Interoperabilitätstests gedacht. Das unbefugte Untersuchen oder Manipulieren fremder Geräte kann gegen Gesetze verstoßen. Der Entwickler übernimmt keine Haftung für Missbrauch – ein bei Hardware-Hacking-Tools üblicher, aber notwendiger Hinweis.

Leistungsgrenzen: Der Bit Pirate ist kein Ersatz für dedizierte Messgeräte. Die maximale SPI-Taktfrequenz liegt im einstelligen MHz-Bereich, die Logic-Analyzer-Funktion ist grundlegend, und präzise Timing-Messungen im Nanosekundenbereich sind nicht möglich. Für den professionellen Einsatz bleibt ein Oszilloskop oder ein dedizierter Logic Analyzer unverzichtbar.

Community und Entwicklung

Das Projekt wird auf GitHub aktiv entwickelt. Mit über 1.350 Commits, 17 veröffentlichten Tags und regelmäßigen Aktualisierungen – der letzte Commit lag bei Recherche dieser Artikels nur eine Woche zurück – zeigt sich eine hohe Entwicklungsdynamik. Die Issue-Liste mit rund 30 offenen Punkten und 2 Pull Requests deutet auf eine aktive, aber nicht überforderte Maintainer-Situation hin.

Dokumentation wird großgeschrieben: Ein umfangreiches Wiki deckt jeden Modus und jedes Kommando mit Beispielen ab. Die Contributing-Richtlinien beschreiben einen niedrigschwelligen Weg, neue Kommandos zu bestehenden Modi hinzuzufügen, und das separate Script-Repository sammelt fertige Automatisierungsskripte der Community.

Wer selbst einsteigen möchte, findet auf der Projekt-Website unter geo-tp.github.io/ESP32-Bit-Pirate/ einen strukturierten Einstieg mit direkten Links zum Web Flasher, zu den Web Tools, zur Dokumentation und zu den Recipes. Die Hürde, den Bit Pirate auszuprobieren, könnte kaum niedriger sein: ESP32-S3-Board einstecken, Web Flasher öffnen, Firmware flashen – fertig.

Fazit

Der ESP32 Bit Pirate ist mehr als ein Nachbau des klassischen Bus Pirate auf moderner Hardware. Er ist ein vollständiges Ökosystem für hardwarenahes Debugging, das die Grenzen zwischen seriellem Terminal, Browser-Tool und tragbarer Standalone-Konsole auflöst.

Die Kombination aus niedrigen Hardwarekosten (ab etwa fünf Euro), einem Klick-Flash-Web-Installer und dokumentierten Schritt-für-Schritt-Rezepten macht das Projekt besonders einsteigerfreundlich. Gleichzeitig sorgen die breite Protokollpalette, die Python-Scripting-Schnittstelle und die wachsende Sammlung an Web-Tools dafür, dass auch fortgeschrittene Nutzer ernsthafte Debugging-Aufgaben bewältigen können.

Die größte Stärke des Bit Pirate ist seine Flexibilität: Ein Gerät, das I2C-Sensoren scannt, SPI-Flash ausliest, UART-Verkehr sniffed, IR-Signale dekodiert und BLE-Geräte erkennt – bedienbar vom Laptop, vom Smartphone oder direkt auf dem eingebauten Display des Cardputers. Das reduziert den Werkzeug-Wildwuchs auf dem Labortisch erheblich und beschleunigt den typischen „Was macht dieses Bauteil eigentlich?“-Moment von Stunden auf Minuten.

Für Maker, Embedded-Entwickler und Hardware-interessierte Studenten, die ein flexibles Einstiegswerkzeug für die hardwarenahe Exploration suchen, ist der Bit Pirate eine klare Empfehlung. Die aktive Community und die stetige Weiterentwicklung lassen erwarten, dass die Protokollpalette und die Ökosystem-Komponenten weiter wachsen werden.

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Quellen

esp32 bit pirate turns boards into bench tools – Illustration 3

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