Was kostet es wirklich, einen Altbau zu heizen — und wie viel lässt sich mit einem cleveren Hybrid-System sparen? Nicht theoretisch, sondern gemessen: Monat für Monat, kWh für kWh, Euro für Euro.
In diesem Artikel zeige ich die kompletten Heizkostendaten meines Einfamilienhauses (Altbau 1969) für die Heizperiode Oktober 2025 bis März 2026. Erfasst mit Shelly-Energiemonitoring und Prometheus-Langzeitspeicherung — keine Schätzungen, keine Hochrechnungen.
Das Ergebnis: ~904 € Heizkosten statt 2.648 € im Vorjahr. Eine Ersparnis von 1.744 € durch die Kombination aus Kesseltausch, Klimaanlagen als Wärmepumpe und PV-Eigenverbrauch — gesteuert über Home Assistant.
Inhaltsverzeichnis
- Das Setup: Öl-Klima-Hybrid
- Gesamtwärmebedarf der Heizperiode
- Was hat das gekostet?
- Monat für Monat: Die vollständige Heizsaison
- Vorjahr vs. dieses Jahr — ehrlich aufgeschlüsselt
- Was lässt sich zuordnen, was nicht?
- Investitionskosten und Amortisation
- Temperaturvergleich: War der Winter milder?
- Was hat sich konkret verändert?
- Hardware-Empfehlungen
- FAQ
- Fazit und Ausblick
Das Setup: Öl-Klima-Hybrid
Mein Haus wird über zwei Wärmequellen beheizt:
- Öl-Brennwertkessel — ein gebrauchtes Modell aus 2021, das den uralten Kessel von 1983 ersetzt hat. Umbaukosten: rund 2.000 € inklusive Material und Einbau. Kein Vergleich zum Neupreis eines modernen Brennwertkessels (8.000–12.000 €), aber ein enormer Effizienzsprung: Der alte Kessel fuhr mit Abgastemperaturen jenseits der 200°C, der neue kondensiert die Abgase und nutzt die Restwärme. Allein dieser Tausch dürfte den Ölverbrauch um 15–20% gesenkt haben.
- Klima-Splitgeräte — als Wärmepumpe betrieben (Heiz-COP ~3,5–4,5 je nach Außentemperatur), gesteuert über Home Assistant
Die Kombination ist entscheidend: Der effizientere Brennwertkessel übernimmt die Grundlast bei tiefen Temperaturen, die Klimaanlagen springen ein, sobald PV-Überschuss da ist oder die Außentemperatur einen guten COP erlaubt.
Die Klimaanlagen laufen nicht einfach durch, sondern werden PV-gesteuert: Wenn die Photovoltaikanlage Strom liefert, heizen die Splits bevorzugt mit Solarstrom. Home Assistant übernimmt die komplette Orchestrierung als Smart-Home-Energiemanagement: wann welches Gerät wie viel heizen darf — echte Sektorenkopplung zwischen PV-Anlage und Heizung, vollautomatisch.
Bauliche Sanierung: Gebäudehülle verbessert
Neben der Heiztechnik wurde auch die Gebäudehülle im Rahmen der Sanierung verbessert:
- Neue Haustür: Die alte Haustür war extrem undicht — es zog permanent durch Rahmen und Dichtungen. Der Austausch hat den Kaltlufteintrag im Erdgeschoss drastisch reduziert.
- Dreifachverglasung im OG: Ein Fenster und eine Balkontür im Obergeschoss wurden gegen dreifach verglaste Elemente getauscht. Der Unterschied ist sofort spürbar — deutlich weniger Kälteabstrahlung an den Glasflächen.
- Dämmung der obersten Geschossdecke: Im Rahmen der Sanierung wurde die Decke zum unbeheizten Dachboden gedämmt. Das reduziert den Wärmeverlust nach oben erheblich — gerade im Altbau einer der effektivsten Einzelmaßnahmen.
Diese baulichen Maßnahmen sind in den Heizkostendaten nicht isoliert messbar — sie wirken zusammen mit dem Kesseltausch und den Klimaanlagen. Aber sie tragen dazu bei, dass der Gesamtwärmebedarf von 11.622 kWh für ein Einfamilienhaus Baujahr 1969 vergleichsweise moderat ausfällt.
Wie wird gemessen?
Die Datenerfassung läuft über drei Schichten:
- Ölheizung: Ein Shelly-Energiemonitor am Brenner klassifiziert die Leistungsaufnahme — Standby (≤10W), Umwälzpumpe (10–70W) oder Brenner aktiv (>70W). Aus den Brennerstunden ergibt sich der Ölverbrauch (1,05 L/h).
- Klimaanlagen: Jedes Gerät hängt an einem Shelly Plug S, der den Stromverbrauch pro Minute erfasst.
- Langzeitspeicherung: Alle Sensordaten fließen über Home Assistant in einen Prometheus-Server mit 10 Jahren Retention. Grafana liefert die Auswertungen.
Gesamtwärmebedarf Heizperiode 2025/26 (gemessen)
| Quelle | kWh | Anteil |
|---|---|---|
| Ölheizung | 7.769 kWh | 66,8% |
| Klimaanlagen | 3.853 kWh | 33,2% |
| Gesamt | 11.622 kWh | 100% |
Ein Drittel der gesamten Heizwärme kam aus den Klimaanlagen — Geräte, die die meisten Leute nur zum Kühlen kennen. Im Heizbetrieb arbeiten moderne Splits als hocheffiziente Luft-Luft-Wärmepumpen mit einem COP von 3,5 bis 4,5 je nach Außentemperatur. Je wärmer es draußen ist, desto effizienter arbeiten sie — im März mit 7°C Außentemperatur werden aus 1 kWh Strom über 4 kWh Wärme. Im kalten Dezember und Januar dominiert dagegen klar die Ölheizung.
Was hat das gekostet?
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Heizöl (755 L) | 683 € |
| Klimaanlagen (Strom, ~994 kWh) | ~221 € |
| Tatsächliche Heizkosten | ~904 € |
Die Klimastromkosten für Oktober bis Februar sind zum Brutto-Netzstrompreis (0,2841 €/kWh) gerechnet. Im März kam 83% des Klimastroms von der eigenen PV-Anlage, daher dort nur 37 € statt ~99 € bei reinem Netzstrom. Für Januar und Februar fehlen PV-Auswertungen — die tatsächlich bezahlte Summe liegt also noch unter den hier genannten 221 €.
Vergleich: Was hätte reine Ölheizung gekostet?
Die 3.853 kWh Klimawärme hätten per Öl umgerechnet ~339 € gekostet (bei 0,0879 €/kWh Öl-Wärme). Tatsächlich bezahlt für Klimastrom: ~221 €.
Ersparnis durch Klimaanlagen: ~116 € — konservativ gerechnet, nur für März mit PV-Offset. Sobald auch die PV-Daten für Januar und Februar ausgewertet sind, wird die reale Ersparnis deutlich höher ausfallen.
Die vollständige Heizsaison Monat für Monat
Alle Werte basieren auf echten Messungen via Shelly-Energiemonitoring und Prometheus. Die Ölverbräuche stammen aus der Brennerstunden-Klassifizierung (Shelly-Leistungswatt: Standby ≤10W, Pumpe 10–70W, Brenner >70W → 1,05 L/h). Die Klima-Wärme für Oktober bis Februar ist über den temperaturabhängigen COP geschätzt (Wärme-Sensoren erst ab Januar 2026 verfügbar, aber noch nicht monatsgenau ausgewertet).
| Monat | T avg | Öl kWh | Klima kWh | Gesamt kWh | Öl € | Klima € | Gesamt € | Nur Öl € | Ersparnis |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Okt ¹ | ~12° | 185 | ~127 | ~312 | 16 € | 8 € | ~24 € | ~27 € | ~3 € |
| Nov ¹ | ~5° | 937 | ~803 | ~1.740 | 82 € | 60 € | ~142 € | ~153 € | ~11 € |
| Dez ¹ | ~2° | 2.060 | ~310 | ~2.370 | 181 € | 25 € | ~206 € | ~208 € | ~2 € |
| Jan ¹ | 0,2° | 2.812 | ~490 | ~3.302 | 247 € | 40 € | ~287 € | ~290 € | ~3 € |
| Feb ¹ | 3,3° | 1.689 | ~681 | ~2.370 | 148 € | 51 € | ~199 € | ~208 € | ~9 € |
| Mrz ¹† | 7,3° | 86 | 1.442 | 1.528 | 8 € | 37 € | ~45 € | ~134 € | ~89 € |
| Saison | 7.769 | ~3.853 | ~11.622 | 683 € | ~221 € | ~904 € | ~1.020 € | ~116 € |
¹ Gemessene Daten (Shelly + Prometheus) † März: 21 von 31 Tagen Klima-kWh: COP-Schätzung (COP = SCOP + (T−7) × 0,1) Klima-€: Brutto-Netzpreis ohne PV-Abzug (Okt–Feb), mit PV-Eigenverbrauch 83% (Mrz)
Zwei Muster stechen heraus: Im Dezember und Januar dominiert die Ölheizung bei Temperaturen um den Gefrierpunkt — die Klimaanlagen laufen nur ergänzend, die Ersparnis gegenüber reinem Öl ist minimal. Der März dagegen dreht das Bild komplett: 94% der Wärme kam aus den Klimaanlagen, 83% des Klimastroms lieferte die PV-Anlage — Heizkosten von nur 45 € für 1.528 kWh Wärme. Die Übergangszeit (Okt, Nov) zeigt das Potenzial der Klimaanlagen am deutlichsten: Im November lieferten sie ~803 kWh Wärme und übernahmen fast die Hälfte der Heizlast.
Hinweis Oktober: Der Büro-Klimasensor zeigte durch einen bekannten Bug ~27°C statt real ~20°C an — die Anlage lief großteils im Kühlmodus (130 kWh). In der Tabelle ist nur der echte Heizanteil (Wohnzimmer, 28 kWh Strom) berücksichtigt. Der OG-Sensor war erst ab November verfügbar.
Der Vergleich: Vorjahr vs. dieses Jahr — ehrlich aufgeschlüsselt
Auf den ersten Blick sieht die Bilanz spektakulär aus:
| Vorjahr 2024/25 | Dieses Jahr 2025/26 | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Heizöl | 1.600 L → 1.448 € | 755 L → 683 € | −765 € |
| Holz (Kaminofen) | 1.200 € | 0 € | −1.200 € |
| Klimaanlagen | – | ~221 € | +221 € |
| Laufende Kosten | 2.648 € | ~904 € | −1.744 € |
Aber: Drei Dinge haben sich gleichzeitig geändert — Kesseltausch, Klima-Splitgeräte, kein Holz mehr. Die Ersparnis lässt sich nicht sauber einer einzigen Maßnahme zuordnen. Eine ehrliche Einordnung:
Was lässt sich zuordnen, was nicht?
Klar zuordenbar:
- Holz-Wegfall: Der Kaminofen wurde komplett durch die Klimaanlagen ersetzt. Die 1.200 € Holzkosten fallen weg.
- Klimaanlagen-Mehrkosten (+221 €): Die Splits verursachen Stromkosten, die vorher nicht existierten. Aber sie ersetzen sowohl Holz als auch einen Teil der Öl-Heizlast.
Schwer trennbar — Kesseltausch, Gebäudehülle und Klima-Effekt auf den Ölverbrauch:
Der alte 1983er-Kessel (Konstanttemperatur, ~70% Jahresnutzungsgrad) wurde durch einen 2021er-Brennwertkessel (~95%) ersetzt. Gleichzeitig haben die Klimaanlagen einen Teil der Heizlast übernommen, die baulichen Maßnahmen (Haustür, Fenster, Geschossdeckendämmung) den Gesamtwärmebedarf gesenkt, und der mildere Oktober hat zusätzlich geholfen. All das lässt sich nicht sauber voneinander trennen.
Grobe Schätzung: Hätte der neue Kessel den gesamten Wärmebedarf allein gedeckt (ohne Klima), wären bei ~11.600 kWh Bedarf und 95% Effizienz rund 1.200 Liter Öl nötig gewesen — statt 1.600 L mit dem alten Kessel. Der Kesseltausch allein hätte also ~400 L / ~362 € gespart. Die weiteren ~445 L Einsparung kommen vom Klima-System, das Heizlast vom Öl übernommen hat.
| Faktor | Ersparnis | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kein Holz mehr | +1.200 € | Klar messbar |
| Kesseltausch (70% → 95%) | +362 € | Schätzung über Wirkungsgrad |
| Klima ersetzt Öl-Heizlast | +403 € | 445 L Öl eingespart |
| Klima-Stromkosten (Mehrkosten) | −221 € | Brutto-Netzpreis, ohne PV-Abzug |
| Gebäudehülle (Tür, Fenster, Dämmung) | inklusive | Nicht isoliert messbar, senkt Gesamtbedarf |
| Netto-Ersparnis | ~1.744 € | Summe der messbaren Faktoren |
Investitionskosten und Amortisation
| Investition | Kosten | Amortisation |
|---|---|---|
| Gebrauchter Brennwertkessel (2021) inkl. Einbau | ~2.000 € | ~4 Saisons isoliert (~362 €/Jahr), ~1 Saison im Gesamtsystem |
Die Klimaanlagen und die PV-Anlage waren bereits vorhanden — sie wurden nur durch Home Assistant intelligent zum Heizen eingesetzt. Die einzige Neuinvestition war der Kesseltausch. Isoliert betrachtet spart der Kessel ~362 €/Jahr (Amortisation ~4 Saisons), aber im Gesamtsystem beträgt die Ersparnis 1.744 € — weil der Kessel die Basis bildet, auf der Klima und PV aufsetzen. Zum Vergleich: Ein fabrikneuer Brennwertkessel hätte 8.000–12.000 € gekostet.
Temperaturvergleich: War der Winter milder?
| Monat | 2024/25 | 2025/26 | Differenz |
|---|---|---|---|
| Okt | 11,2° | ~12° | +0,8° |
| Nov | 5,8° | ~5° | −0,8° |
| Dez | 4,0° | ~2° | −2,0° |
| Jan | 2,2° | 0,2° | −2,0° |
| Feb | 2,5° | 3,3° | +0,8° |
| Mrz | 5,4° | 7,3° | +1,9° |
Der Dezember und Januar waren deutlich kälter als im Vorjahr — zusammen 4°C unter den Vorjahreswerten. Die Ersparnis kommt also nicht von einem milderen Winter. Im Gegenteil: Der strengere Kern-Winter erklärt, warum Dezember und Januar die ölintensivsten Monate waren.
Was hat sich konkret verändert?
- Brennwertkessel statt Uralt-Kessel — der Tausch des 1983er-Kessels gegen ein gebrauchtes 2021er-Modell für ~2.000 € brachte den größten Einzeleffekt. Allein der Effizienzsprung von ~70% auf ~95% spart geschätzt ~400 Liter Öl pro Saison — bei aktuellen Ölpreisen rund 362 € jährlich.
- Holzofen komplett ersetzt — kein manuelles Nachlegen, kein Holzkauf, keine Asche. Die Klima-Splits übernehmen die Komfortwärme, die vorher der Kamin lieferte.
- Klima-Splits als Wärmepumpe — mit einem COP von 3,5–4,5 erzeugen sie aus 1 kWh Strom bis zu 4,5 kWh Wärme. Das ist effizienter als jede Ölheizung — besonders in der Übergangszeit.
- PV-Eigenverbrauch — die Photovoltaikanlage liefert in den sonnigeren Monaten den Großteil des Klimastroms kostenlos. Im März kamen 83% von der PV-Anlage. Für Oktober bis Dezember fehlen PV-Daten — die reale Ersparnis liegt also noch über den hier genannten Werten.
- Home Assistant orchestriert alles — PV-Überschuss-Erkennung, Ölheizung-Abschaltung bei warmem Wetter, COP-Monitoring in Echtzeit. Ohne die Automatisierung müsste man die Klima-Splits manuell ein- und ausschalten — was in der Praxis niemand konsequent durchhält.
- Gebäudehülle verbessert — neue Haustür (die alte war extrem undicht), Dreifachverglasung für ein Fenster und eine Balkontür im OG, Dämmung der obersten Geschossdecke. Gerade die Haustür und die Deckendämmung sind im Altbau oft die Maßnahmen mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Die wichtigste Erkenntnis: Keine einzelne Maßnahme hat die 1.744 € gebracht. Es ist die Kombination aus besserem Kessel, verbesserter Gebäudehülle, Wärmepumpeneffekt der Klimaanlagen, kostenlosem PV-Strom und intelligenter Steuerung durch Home Assistant. Jeder Faktor verstärkt die anderen.
Hardware-Empfehlungen für ein ähnliches Setup
Für alle, die ein vergleichbares Hybrid-Heizsystem aufbauen wollen:
- Klima-Splitgeräte mit Heizfunktion: Auf Inverter-Technologie und guten Heiz-COP achten (min. 3,5 bei 7°C Außentemperatur). Geräte mit WiFi-Modul lassen sich direkt in Home Assistant einbinden.
- Energiemessung: Shelly Pro 3EM für die Gesamtverbrauchsmessung, Shelly Plug S für einzelne Geräte — beides nativ in Home Assistant integriert.
- Außentemperatursensor: Entweder ein Zigbee-Sensor oder die DWD-Integration (Deutscher Wetterdienst) in Home Assistant.
- PV-Monitoring: Die EVCC-Integration oder direkt der Wechselrichter-Adapter für Home Assistant.
- Langzeit-Monitoring: Ein Raspberry Pi oder Mini-PC mit Prometheus + Grafana für jahrelange Datenhistorie.
FAQ: Häufige Fragen
Lohnt sich eine Klimaanlage zum Heizen im Altbau?
Ja, die Zahlen aus meiner Heizsaison 2025/26 belegen das. Moderne Klima-Splitgeräte mit Inverter-Technologie erreichen im Heizbetrieb einen COP von 3,5 bis 4,5 — sie erzeugen also aus 1 kWh Strom bis zu 4,5 kWh Wärme. In Kombination mit einer PV-Anlage sinken die effektiven Heizkosten drastisch. Zum Vergleich: Heizöl liegt bei ~0,088 €/kWh, Klimawärme bei ~0,057 €/kWh (ohne PV). Die Geräte eignen sich besonders als Ergänzung zur bestehenden Heizung, nicht unbedingt als alleiniger Ersatz bei sehr tiefen Außentemperaturen.
Wie viel kann man mit PV-Eigenverbrauch bei der Heizung sparen?
In meinem Setup kamen im März 83% des Klimastroms von der PV-Anlage. Der Schlüssel ist die intelligente Steuerung über Home Assistant: Die Klimaanlagen heizen bevorzugt dann, wenn PV-Überschuss vorhanden ist. Ohne diese Automatisierung würde ein Großteil des Solarstroms ungenutzt ins Netz fließen.
Was kostet ein gebrauchter Brennwertkessel mit Einbau?
Mein gebrauchter Öl-Brennwertkessel (Baujahr 2021) hat inklusive Einbau und Material rund 2.000 € gekostet. Ein fabrikneuer Brennwertkessel liegt bei 8.000–12.000 €. Der Effizienzsprung von einem alten Konstanttemperaturkessel (~70% Jahresnutzungsgrad) auf Brennwert (~95%) spart geschätzt 400 Liter Öl pro Saison — bei aktuellen Ölpreisen rund 362 € jährlich.
Wie genau sind die Messwerte?
Die Ölverbräuche werden über Brennerstunden-Klassifizierung via Shelly-Leistungsdaten ermittelt — keine Tankstandsmessung, aber durch den konstanten Düsendurchsatz (1,05 L/h) ausreichend genau. Die Klimastrom-Werte kommen direkt von den Shelly Plug S und sind auf die kWh genau. Klima-Wärme-Sensoren (direkte kWh-Messung) sind erst ab Januar 2026 verfügbar — für Oktober bis Dezember sind die Wärmewerte COP-basierte Schätzungen.
Funktioniert das auch ohne Home Assistant?
Die Heizung selbst funktioniert natürlich auch manuell. Aber ohne die Automatisierung müsste man die Klima-Splits bei PV-Überschuss selbst einschalten, bei Bewölkung wieder ausschalten, und die Ölheizung manuell drosseln. Das macht in der Praxis niemand konsequent — und genau da liegt das Einsparpotenzial.
Fazit: Lohnt sich ein Öl-Klima-Hybrid im Altbau?
Kurze Antwort: Ja, und die Zahlen belegen es. 904 € statt 2.648 € — eine Reduktion um zwei Drittel. Die Kombination aus gebrauchtem Brennwertkessel, vorhandenen Klimaanlagen und PV-Eigenverbrauch hat sich in einer einzigen Heizsaison amortisiert.
Rückblick: Würde ich es heute genauso machen?
Ehrlich gesagt: vermutlich nicht. Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage — Krise im Iran, Instabilität im Mittleren Osten, steigende Ölpreise und die generelle Unsicherheit fossiler Lieferketten — würde ich heute wahrscheinlich direkt auf eine DIY-Wärmepumpenlösung setzen, statt nochmal Geld in einen Ölkessel zu stecken. Selbst ein gebrauchter.
Die Technik dafür ist mittlerweile zugänglich: Projekte wie die Open-Source-Wärmepumpe auf Basis von R290-Kältemitteln, fertige DIY-Bausätze mit Panasonic- oder Mitsubishi-Kompressoren, und die wachsende Community rund um selbstgebaute Wärmepumpen mit Home-Assistant-Integration machen das Thema auch für Altbau-Besitzer realistisch.
Mein Hybrid-Setup war die pragmatische Lösung zum Zeitpunkt der Entscheidung: gebrauchter Kessel für wenig Geld, vorhandene Klimaanlagen clever einsetzen, PV-Überschuss nutzen. Das funktioniert — die Zahlen belegen es. Aber langfristig würde ich heute anders planen.
Tipp zum Einstieg: Beginne mit einer einzelnen Klimaanlage mit Energiemessung. Schon damit kannst du den COP messen, den Verbrauch tracken und die erste PV-gesteuerte Heizautomation erstellen. Der Rest wächst organisch.
Du heizt mit Öl und überlegst, ob sich der Umstieg lohnt — auf Hybrid, Wärmepumpe oder beides? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren — mich interessiert besonders: Wer hat den Sprung zur DIY-Wärmepumpe im Altbau gewagt?